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Kurzer Abriss zur
Geschichte der Bürgerschützen Kompagnie - Hettstedt 1441 e.V.
Im Mittelalter als Schützengilden gegründet, um ihre Städte vor
Übergriffen des Adels und der Fürsten zu schützen.
Daraus entstanden dann später die Schützenvereine.
Als Hettstedt am 21. und 22. Juli 1439 von den Grafen von Mansfeld und
dessen Verbündeten belagert und erobert wurde, gab es nachweislich eine
Bürgerschützenwehr und Stadtkompanie zur Verteidigung der Stadt.
Es ist anzunehmen, dass in diese Zeit die Gründung der Bürgerschützen
Kompagnie fällt. Erstmals erwähnt wurde sie 1441. Begründer sind vermutlich
die drei Grafen vom Mansfelder Schießen, dass "allhier in den sogenannten
Schützengräben das allererste Mal geschossen wordten."
Eine umfassende Niederschrift über die Geschichte der Bürgerschützen
Kompagnie Hettstedt stammt aus dem Jahre 1764. Sie wurde von einem
Weißbäckermeister Christofh Michael Erdvig verfasst, und zwar aus Anlass der
Erbauung des neuen Schützenhauses.

alte Fotografie Schützenhaus Hettstedt
Diese Aufzeichnungen ergeben nun
folgendes Bild von der Geschichte der Kompagnie bis zum heutigen Zeitpunkt.
Nach der Ersterwähnung 1441 fanden in der näheren und weiteren Umgebung
große Schützenfeste, auch Schützenhofe genannt, statt. So berichten z.B.
Chroniken vom 18.06.1457 aus Sangerhausen, 1484 aus Wiehe am Harz, 1487 aus
Stolberg i.H. von Schützenhöfen, an denen Schützen aus Hettstedt als Gäste
teilnahmen. Weitere Teilnahmen am Sangerhäuser Schützenhof von 1491, 1504
und 1512 werden ebenfalls genannt. Am 2. September 1527 fand vor der Stadt
Hettstedt ein großer Schützenhof statt, an dem sich Graf Gebhardt und Graf
Ernst von Mansfeld beteiligten.
Schon 1528 fand in Eisleben der nächste große Schützenhof statt, an dem laut
Chronik viele Schützen der Umgebung teilnahmen, so z.B. aus Nordhausen 13,
aus Halle 9, aus Querfurt 7, aus Allstedt 6, aus Naumburg 6, aus
Sangerhausen 14, aus Weißenfels 6, aus Frankenhausen 17, aus
Hettstedt 12, aus Mansfeld 14, aus Leimbach und Großörner 9 und aus
Hergisdorf 14. Dies Beteiligung zeugt davon, dass das Schützenwesen zu
dieser Zeit in hoher Blüte gestanden hat.
Während des 30-jährigen Krieges (1618 — 1648) hat scheinbar das Hettstedter
Schützenwesen seine praktische Bedeutung bewiesen, denn Erdvig meldet, dass
die alten Hettstedter zur der Zeit "weit und breit berühmt gewesen seien im
perfectem Schießen; dieses ist hiere zu statten gekommen in den 30-jährigen
Kriege mit Toppel Haken, Armbrüsten und Flinten". Trotz des Krieges aber hat
man wohl auch Schützenfeste abgehalten, denn es heißt, dass 1632
vorübergehend auf der Himmelshöhe geschossen worden sei. Die Zahl der
Schützen soll dato nicht groß gewesen sein. Nach dem Kriege wurde die Zahl
wieder stärker "auf Befehl der hohen Landesobrigkeit", und so ist zum ersten
Mahl die hiesige Bürgerschaft mit Trommel und Fahne auf die sogenannte
Seiler - Höhe 1662 gezogen, wo noch bis dato geschossen wird.
Über die nächsten Jahrhunderte sind leider keine Aufzeichnungen vorhanden.
Nach dem Ende des 7-jährigen Krieges (1763) waren es wohl die alten
Soldaten, die wieder neues Leben in die Schützengilden brachten. Zur
Friedensfeier 1763 wurde die Neugründung der Bürgerschützen Kompagnie
Hettstedt mit sechs Bürgern in die Wege geleitet. Das geschah so tatkräftig,
dass "am 8. Juli 1763 das Statut der Bürgerschützen Kompagnie 'Hettstedt vom
Churfürstlichen Aufseheramte Eisleben namens des Regenten genehmigt
unterschrieben wurde'. Dieses Statut ist im Original im Besitz der Kompagnie.
Am 21. März 1754 wurde feierlich der Grundstein zur Erbauung des
Schützenhauses gelegt. Dies geschah im Beisein der Bürgerschützen Kompagnie
und einiger 100 Zuschauer und Kinder, die mit Brezeln und Semmeln bewirtet
wurden. Die Erbauung geschah mit Genehmigung des Oberaufseheramtes Eisleben
und dem Magistrat Hettstedt durch den Zimmermeister Bautse / Quenstedt. Die
Schützenbrüder und auch andere Bürger der Stadt unterstützten den Bau durch
Leistungen von Fuhren, Lieferung von Baumaterial und Geldgaben.
Schützenhauptmann war zu dieser Zeit Jacob Müller, Stadtrichter
Branntweinbrenner und Seifensieder. Außerdem gehörten der Kompagnie
nachstehende Personen an, von denen noch heute Nachkommen unter uns leben,
wie Schwennicke, Kronberg, Jäger, Spangenberg, Tetzner, Tischmeyer, Hühndorf,
Fuchs, Bechstein, Lüttig, Böttger, Giesemann.
"Im Jahre 1766 hat der Schützenbruder, Sergant Kronenberg der lob -
liehen B.Schützenkompagnie alhier eine roiige Vogeistange verehret
und das erste Mahl nach dem Vogel geschossen wordten 1766 den 26.
Juni."
Es gab in den folgenden Jahren viele Schützenfeste mit neuen
Schützenkönigen. Die Gründung des Mansfelder Schützenbundes 1921
brachte eine neue Belebung des Schützenwesens in der Region.
So fand das 5. Mansfelder Bundesschießen vom 11.-15. Juni 1927 als
ein Vereinshöhepunkt der Bürgerschützen - Kompagnie Hettstedt in
Hettstedt statt. Grund dafür war das 400-jährige Jubiläum des
Schützenhofes in Hettstedt.

altes Plakat - 5. Mansfelder Bundesschießen 1927 Wie fast überall
in Deutschland, so auch in Hettstedt wurde die Bürgerschützen -
Kompagnie zum Kriegsende 1945 verboten und somit aufgelöst. Durch
die Bemühungen des Ex- Hettstedters Hans Röder und dem
Ortschronisten Otto Spieler kam es am 1. Juni 1991 zur Neugründung
des Bürgerschützen - Kompagnie Hettstedt 1441 e.V..
1. Vorsitzender wurde Harald Suttkus (V29.09.1995).
Noch im gleichem Jahr fand das 1. Schützenfest statt.
Den Vogel für das Königsschießen spendierte der Schützenverein
Bergkamen / Rünthe 1848 e.V., mit dem die Bürgerschützen - Kompagnie
am 20. September 1991 einen Partnerschaftsvertrag unterzeichnete.
Seit 1996 gibt es auch eine freundschaftliche Beziehung zum
Schützenverein "Pfeil 1841" im bayrischen Vöhringen.
1996 feierten die Bürgerschützen ihr 555-jähriges Jubiläum mit einem
zünftigen Schützenfest. Am 31. Dezember 1993 hatte die Bürgerschützen - Kompagnie Hettstedt
1441 e.V. 82 Mitglieder, davon 60 Männer, 11 Frauen, 4 Jugendliche
und 7 Schüler.
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